Effiziente Sprossenzucht

Wie baue ich effizient Sprossen an?

Sprossen brauchen keinen Dünger und würde das Wachstum sogar eher hemmen. Wie hole ich dennoch das Meiste aus meinen Keimlingen heraus?

hocheffiziente Dünger oder ertragsoptimiertes Saatgut kennen wir bei der Sprossenzucht nicht. Dennoch können wir auf natürliche Weise den Anbau effizienter gestalten. Beim Anbau können drei Punkte optimiert werden: die Nährstoffe, die Pflanzenmasse und die Anbauzeiten.

Optimierung der Anbauzeiten

Die Optimierung der Anbauzeiten gilt für Grünkräuter wie auch für Sprossen und gewährleistet fortlaufend frische Sprossen ohne Wartezeit. Die Optimierung kann erst durchgeführt werden, wenn bereits Erfahrungen über den Verbrauch der Sprossen vorliegen. Am besten notierst du dir, wie viele Sprossen und Grünkräuter in deinem Haushalt verzehrt werden.

Verbrauchst du eine Keimschale nach drei Tagen, sollten nach dieser Zeit neue, erntereife Sprossen bereitstehen. Brauchen diese jedoch 12 Tage zum Wachstum, musst du insgesamt vier Keimschalen ansetzen mit einem Abstand von drei Tagen.

Nutzt du dabei einen Keimturm, können die unteren Ebenen dafür genutzt werden.

  1. Am ersten Tag befüllst du die oberste Ebene.
  2. Nach drei Tagen ist die mittlere Ebene dran.
  3. Am siebten Tag wird die letzte Ebene befüllt.
  4. Am 11. Tag muss ein zweites Keimgerät genutzt werden. Die Sprossen aus der mittleren Ebene des ersten Keimgeräts werden jedoch oben auf das zweite Keimgerät gelegt. Hier haben diese Keimlinge genug mehr Platz für das Wachstum.
  5. Am 12. Tag sind die Sprossen aus der ersten Ebene erntereif.
  6. Zwei Tage später muss die nächste Ebene gefüllt werden!

Das gleiche Prinzip lässt sich auch bei Kressesieben und Sprossengläsern anwenden. Der fortlaufende Anbau garantiert, dass immer frische Sprossen bereitstehen.

Mehr Pflanzenmasse bei Grünkräuter

Generell wird bei der Sprossenzucht die Pflanzenmasse stark vermehrt. Bei Grünkräutern kann diese mit einem Trick aus der Natur vergrößert werden.

Sind die Umgebungsbedingungen einer Pflanze nicht ideal, versucht die Pflanze dagegen anzukämpfen.

Erhält die Pflanze nicht genug Licht, versucht sie näher an die Lichtquelle zu rücken. Das Gleiche können wir in einem Wald beobachten, die „Grüne Zone“ liegt dort weit oben. Alle Bäume versuchen schnell nach oben zu wachsen, damit ihre Blätter mehr Licht erhalten.

Gleiches trifft auch auf das Grünkraut zu. Erhält es in den ersten Tagen nur wenig Licht, wird das Grünkraut länger. Da jedoch beim Längenwachstum das Dickenwachstum zweitrangig ist, wird das Grünkraut lang und dünn. Wird der Stängel lang und dünn, hat die Pflanze weniger Stabilität und knickt ab.

Irgendwann ist die Energie aus dem Saatkorn erschöpft. Aus diesem Grund sollte diese Methode nur in den ersten 2 bis 3 Tagen praktiziert werden.

Diese Methode eignet sich besonders, wenn die Grünkräuter in Erde angebaut werden. So werden die Nährstoffreserven aus der Saat vollständig umgesetzt. Werden jedoch die Grünkräuter mit Wurzel verzehrt, ist diese Methode unnötig.

Mehr Nährstoffe durch mehr Masse?

Die Stängel werden länger, aber nicht dicker. Die Pflanze nimmt zwar mehr Wasser auf, aber nicht mehr Nährstoffe. Das Gewicht und Volumen nehmen etwas zu, doch bleiben die Nährwerte auf der Strecke.

Wofür brauchen Pflanzen Licht?

Der Samen braucht das Licht nur, um die Keimruhe zu beenden. Beginnen die Keimlinge jedoch grün zu werden, bedient sich die Pflanze seiner neuen Energiequelle: der Sonne. Mit Hilfe der Sonne werden Nährstoffe assimiliert. Assimiliert bedeutet, dass die Pflanze Nährstoffe aus der Luft und Erde mittels der Sonne in körpereigene Stoffe umwandelt.

Wachsen die Keimlinge unter künstlichem Licht, gibt es je nach verwendetem Spektrum der LEDs Unterschiede bei der Ausbildung von Phytonährstoffen1.

Daher verwundert es nicht, dass Pflanzen unter Kunstlicht weniger Phytonährstoffe ausbilden. Kunstlicht spiegelt nicht das volle Lichtspektrum wider. Zum Beispiel führte Grünes Licht bei Senf-Grünkraut dazu, dass dieses mehr Lutein/Zeaxanthin enthielt2.

Da im Winter das Angebot an natürlichem Sonnenlicht stark schwankt, kann es sinnvoll sein, die Sprossen und Microgreens mit LED-Licht zu unterstützen.

Mehr Wärme?

Bekommen Pflanzen mehr Wärme, versucht die Pflanze stärker zu wachsen. Auch dann wird mehr Grünmasse erzeugt. Doch bei Temperaturen über 22 °C steigt auch das Bakterien- und Hefen-Wachstum. Unsere Empfehlung ist daher, nicht die Temperatur zu erhöhen!

Steigerung der Nährstoffe

Bei der Keimung werden die Nährstoffe der einzelnen Keimsaaten stark erhöht und dessen Aufnahme für uns besser bioverfügbar bereitgestellt.

Doch ist es möglich dies noch zu optimieren? Ja, denn besonders bei der Anzucht von Sprossen kann, über die Einweichtemperatur und -dauer, die Entstehung von Vitaminen und bioaktiven Stoffen reguliert werden. Ein Beispiel wären die braunen Reissprossen: Bei einer Temperatur von 35°C beim Einweichen und Keimen wird der Gehalt an GABA deutlich gesteigert.

Auch der Gehalt an Vitamin B, E oder C3 ändert sich mit den Anbauparametern von Einweichdauer, Temperatur und Keimzeit. Leider sind diese sehr komplex und daher zuhause schwer umzusetzen. Auch bei der Reduzierung von Phytinsäure wirken unterschiedliche Anbaueinflüsse. In Versuchen4 wurde, durch Anpassung der Einweichtemperatur auf 50°C, der pH-Wert auf 3.8 und damit der Gehalt an Phytinsäure um 95% reduziert.

Mehr Polyphenole und Antioxidantien

In zwei Studien wurden Amaranth5 und Buchweizen6 mit einer salzigen Lösung angebaut. Beide Studien stellten eine höhere Konzentration von Polyphenolen fest. Zwar stieg durch die Salzkonzentration die antioxidative Wirkung, doch verringerte sich laut der zweiten Studie das Wachstum, wenn mehr als 50 Millimolar Natriumchlorid gelöst wurden.


  1. Samuolienė G, Viršilė A, Brazaitytė A, Jankauskienė J, Sakalauskienė S, Vaštakaitė V, Novičkovas A, Viškelienė A, Sasnauskas A, Duchovskis P. Blue light dosage affects carotenoids and tocopherols in microgreens. Food Chem 2017 Aug;228:50–56. PMID:28317756 ↩︎

  2. Kyriacou MC, Rouphael Y, Di Gioia F, Kyratzis A, Serio F, Renna M, De Pascale S, Santamaria P. Micro-scale vegetable production and the rise of microgreens. Trends in Food Science & Technology 2016 Nov;57:103–115. [doi: 10.1016/j.tifs.2016.09.005↩︎

  3. Lemmens E, Moroni AV, Pagand J, Heirbaut P, Ritala A, Karlen Y, Lê K-A, Broeck HCV den, Brouns FJPH, Brier ND, Delcour JA. Impact of Cereal Seed Sprouting on Its Nutritional and Technological Properties: A Critical Review. Comprehensive Reviews in Food Science and Food Safety 2019;18(1):305–328. [doi: 10.1111/1541-4337.12414↩︎

  4. Lemmens E, De Brier N, Spiers K, Goos P, Smolders E, Delcour J. The impact of wheat germination and hydrothermal processing on phytate hydrolysis and the distribution, speciation and bio-accessibility of Fe and Zn. 2018 [cited 2019 Apr 26]. Available from: https://lirias.kuleuven.be/2123592 ↩︎

  5. Sarker U, Oba S. Augmentation of leaf color parameters, pigments, vitamins, phenolic acids, flavonoids and antioxidant activity in selected Amaranthus tricolor under salinity stress. Sci Rep 2018;8(1):12349–12349. PMID:30120319 ↩︎

  6. Lim JH, Park KJ, Kim BK, Jeong JW, Kim HJ. Effect of salinity stress on phenolic compounds and carotenoids in buckwheat (Fagopyrum esculentum M.) sprout. Food Chem 2012 Dec;135(3):1065–1070. PMID:22953825 ↩︎

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